Selbstverständnis von Kritischer Frieden Leipzig

Die Initiative Kritischer Frieden Leipzig versteht sich als Plattform, die sich umfassend mit ursächlichen und moralischen Gründen von Krieg und Frieden auseinandersetzen will. Wir wollen friedenspolitische Themen wieder auf die Agenda setzen und diskutieren. Wir sind überzeugt, dass dies gerade im digitalen Zeitalter in dem Kriege zunehmend mit den Mitteln des Internets, der Medien und der Wirtschaft geführt werden, dringend notwendig ist. Nur noch selten sind Kriege Eroberungskriege entlang der Grenzen. Dabei ist für uns klar, dass die Antwort auf Krieg nicht die Rückkehr zu einem veralteten Begriff der Nation sein kann. Weltpolitische Autarkiebestrebungen in einer Welt, die durch Internet und Medien enger zusammengerückt ist, die Grundlage von neuen Auseinandersetzungen schaffen.

Unser Anspruch ist, unseren Meinungen und Forderungen Analyse zugrunde zu legen. Wir wollen keine vorschnellen Antworten liefern, die unweigerlich undifferenziert sein müssten. In einer zunehmend komplexer werdenden Welt verbietet sich eine Vorverurteilung der Akteure. Dies vor allem auch deswegen, da eine direkte Zuordnung bei einer Vielzahl an divergierenden geopolitischen Interessen kaum möglich und auch nicht sinnvoll ist. Um auf komplexe geostrategische Auseinandersetzungen, die sich um Rohstoffe, Ressourcen, Religionen und Einflusssphären drehen, zu antworten, bedarf es einer gründlichen Bearbeitung. Wir konstatieren, dass die bisherigen Friedensinitiativen in Leipzig an dieser schwierigen Herausforderung zum Teil gescheitert sind. Wir halten es für eine Selbstverständlichkeit, bei unserer Arbeit auf die vorhandene Empirie zurückzugreifen.

Die geopolitischen Interessen der Staaten sind nur Ursachen – doch Ursachen täuschen nicht über die Verantwortung einzelner Staaten für die Erhaltung einer friedlichen, gerechten internationalen Ordnung hinweg. Wir wollen nicht in einer Welt leben, die sich in Einflusszonen einteilt. Wir wollen nicht, dass „historisch-gewachsene“ Ansprüche, Tradition, Macht als Kriterien der Legitimität das Menschenrecht und das Völkerrecht ersetzen.

Um unserem Anspruch gerecht zu werden, müssen wir den kritischen Diskurs nicht nur immer wieder einfordern, sondern müssen ihn auch selbst eröffnen. Die Diskussion wollen wir offen und transparent mit allen Menschen führen. Die Grenze ist für uns dort erreicht, wo die Gleichheit aller Menschen und die universale Gültigkeit der Menschenrechte in Frage gestellt werden und Ideologien der Ungleichwertigkeit auftreten. Wer so argumentiert verlässt den Rahmen der Demokratie, deren Voraussetzung die Gültigkeit dieser Punkte ist und sein muss.
Vor diesem Hintergrund sehen wir außerordentlich kritisch, dass im Rahmen der sogenannten „Montagsmahnwachen“ menschenfeindliche Einstellungsmuster wie Antisemitismus immer wieder zum Tragen kamen – mühevoll verdeckt durch eine verkürzte Kapitalismuskritik.

Wir verstehen uns ausdrücklich als überparteiliche Initiative.

Leipzig, 14.04.2015