Reiner Braun bei Attac-Leipzig – Teil 1

Die Erwartung, dass es sich bei der „Mittwochsattacke“ von Attac-Leipzig am 27.05.2015 im Kern um eine reine Apologetik des Verhaltens der nach rechts offenen Vertreter_innen der Friedensbewegung handeln würde, hat sich bestätigt.

Unter den ca. 60 Anwesenden befanden sich neben den zu erwartenden Friedensbewegten aus Leipzig auch Organisatoren der Mahnwachen aus Lübeck, Erfurt und Halle. Der Erfurter Friedensbewegte stellte sich ebenfalls als Organisator von „Endgame“ vor, außerdem war mit Frank Geppert eine Führungsfigur dieser rechtspopulistischen Bewegung vor Ort. Der Vortrag wurde von Daniel Seidel, der bei Jürgen Elsässers Compact TV Magazin in Lohn und Brot ist, offenbar in Absprache mit den Veranstaltern gefilmt.

Der gewählte Titel „Die Neuen auf den Straßen und Plätzen – von Montagsdemos, Mahnwachen, …egidas und manch anderen Akteuren“ wurde also von einem nicht unwesentlichen Anteil des Publikums nicht als kritische Auseinadersetzung mit der Problematik, sondern quasi als Einladung an eben diese Querfrontaktivisten verstanden. Die inhaltliche Auswertung der Rede Brauns klammern wir an dieser Stelle aus; holen dies aber bald nach.

Erwähnenswert finden wir aber, dass in der anschließenden Diskussion der Erfurter Endgamer sich mit Widerspruch an Reiner Braun wandte: Er könne dessen Abgrenzung nach rechts nicht nachvollziehen, selbst ihm sei bei seinen Endgame-Aktivitäten doch ständig mit der Nazikeule begegnet worden und warum es denn so wichtg sei, sich nach rechts abzugrenzen. Auf diesen Einwurf erntete er jedoch weder Antwort vom Podium, noch aus dem Saal, stattdessen stand die Frage einige Sekunden im Raum, danach wurde das Wort weitergegeben.

Die Vorstellung, dass es eine organisierte Zersetzung der Friedensbewegung gäbe, zum Beispiel durch von Antideutschen instrumentalisierte Jugendliche, wie Mike Nagler kurz darauf erklärte, fand im Raum breite Zustimmung. In einem Gefühlsausbruch warf Reiner Braun ein, dass die „Antideutschen eine Gründung des Mossad“ seien. Offensichtlich der Grenzüberschreitung bewusst fügte er unmittelbar hinzu, dass er diese, aufgrund seiner emotionalen Erregung getätigte, Aussage zurücknähme. Eine inhaltliche Revidierung derselben folgte allerdings nicht.

Zum Schluss rief der seit neuestem mit Katrin Oertel kooperierende Frank Geppert in einer flammenden Rede an den Saal den Kampf gegen „das Imperium“ aus und warb nachhaltig dafür, trotz aller kontrovers geführter Diskussion gemeinsam für den Frieden zu streiten.

Statt der geforderten selbstreflektierten Auseinandersetzung mit der Kritik zur fehlenden Abgrenzung nach Rechts, wird nur wieder erneut Gemeinsamkeit bekräftigt und damit der Frieden zur Farce.

Nach Ende der Veranstaltung fanden sich damit auch alle einhellig zum geselligen Umtrunk auf der Straße gemeinsam ein.

Kritischer Frieden Leipzig, 29.05.2015