Der „Leipziger Friedenspreis“: Drei Jahre und ein einziges Trauerspiel

Seit acht Jahren wird der „Leipziger Friedenspreis“ verliehen und unsere Hochachtung gilt allen Preisträger_innen für ihr herausragendes friedenspolitisches Engagement. Ihnen allen steht unserer Meinung nach jeder seriöse Friedenspreis zu, doch seit drei Jahren bröckelt das Image des von der Initiative „Leipzig gegen Krieg“ verliehenen Preises immer mehr.

Die letztjährige Preisverleihung fand, zum Beispiel, nicht auf dem Nikolaikirchhof, sondern in enger Zusammenarbeit mit der rechtsoffenen und schon damals heftig kritisierten „Montagsmahnwache“ auf dem Augustusplatz statt. Der Sprecher von „Leipzig gegen Krieg“, Torsten Schleip, sagte dort, es sei an der Zeit, „die alte mit der neuen Friedensbewegung zu vereinen.“ und meint damit die etablierte Friedensbewegung mit der verschwörungsideologischen „Montagsmahnwachenbewegung“ um Lars Mährholz und Ken Jebsen zusammenzubringen. Besonders war bei der letztjährigen Veranstaltung aber nicht nur der Ort und der Kooperationspartner, sondern es gab eine Verleihung aber keinen Preisträger. Die Gruppe „Leipzig gegen Krieg“ will zwar Revolutionspfarrer Christian Führer1 posthum den Preis verliehen haben, hat dafür aber keine_n legitime_n Empfänger_in gefunden. Jedenfalls wären die einzig rechtmäßigen Empfänger_innen des „Leipziger Friedenspreises 2014“ die Erb_innen des verstorbenen Pfarrers gewesen, doch diese lehnten ab. Statt die Entscheidung der Hinterbliebenen von Pfarrer Führer zu respektieren überging „Leipzig gegen Krieg“ deren Wunsch und fragte dreist die Nikolaikirchgemeinde an, doch auch die Gemeinde verweigerte die Annahme. Ohnehin ist hierbei die Legitimation der Entgegennahme schon dünn, da ein individueller Preis nicht vom ehemaligen Arbeitgeber angenommen werden kann. Wie konnte es nun sein, dass der Presse trotzdem weiß gemacht wurde, der Preis wäre an Pfarrer Führer verliehen worden? Die Veranstalter_innen inszenierten eine Show samt Foto der Preisübergabe durch Torsten Schleip an ein angebliches Gemeindemitglied der Nikolaikirchgemeinde; der Richtigstellung der LVZ vom 09.09.2014 ist zu entnehmen: „So teilte unter anderem der aktuelle Seelsorger Bernhard Stief mit, dass es sich bei der Empfängerin nicht um ein Gemeindemitglied handelte.“ Der damals von „Leipzig gegen Krieg“ gewünschte Aufstellungsort des Preises war die Nikolaikirche, dort befindet er sich aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Wir von „Kritischer Frieden Leipzig“ fragen uns: Wo ist eigentlich der „Friedenspreis 2014“ abgeblieben, bei wem steht er gerade im Regal?

Die Kritik an der Toleranz rechter Kräfte durch „Leipzig gegen Krieg“ wurde auch von der letzten Preisträgerin geäußert. Juliane Nagel schrieb im Anschluss an ihre Preisübergabe am 3. September 2013: „Schade nur, dass die InitiatorInnen der Veranstaltung der verschwörungstheoretischen, rechtsoffenen „BüSo“ die Möglichkeit gaben sich mit einem Stand zu präsentieren,.“2 Bereits vor zwei Jahren wurde die Kritik am Fehlen klarer Distanzierungen nach rechts also laut.

Nun steht der „Weltfriedenstag“ am 01. September erneut an und das problematische Verhalten von „Leipzig gegen Krieg“ rund um den „Friedenspreis“ geht weiter. Schon im Vorfeld der Veranstaltung stellten sich Aktivist_innen des „Friedenszentrums“ im Mai öffentlich gegen die Leipziger Couragepreisträger_innen und das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“3. Am 8. Mai, im Anschluss an die Gedenkveranstaltung am Mahnmal der ermordeten Sinti und Roma während des Nationalsozialismus, drohte ein Aktivist des „Friedenszentrum“, der bewusst nicht an dem Gedenken teilgenommen hatte, einem Couragepreisträger Prügel an.4 Im Zuge der Vorbereitungen Ihrer Veranstaltung am 01.09. nahm schließlich erneut ein Mitglied von „Leipzig gegen Krieg“ den verstorbenen Pfarrer Führer für sich in Beschlag und diskreditierte zudem noch die Gemeinde, auf deren Kirchhof die Preisverleihung dieses Jahr stattfinden soll. Am 13.08. verbreitete Peter Vonstein öffentlich, die Nikolaikirchgemeinde trage die Schuld an den Unstimmigkeiten des letzten Jahres und habe noch dazu „offensichtlich ein Problem mit dem Wirken und der Arbeit von Pfarrer Führer“.

Dabei ist es „Leipzig gegen Krieg“, die sein Wirken nicht würdigen, denn Pfarrer Führer hat zu Lebzeiten immer klare Position gegen Rechtsradikalismus und Demokratiefeindlichkeit ergriffen: Bereits 2004 engagierte er sich im Rahmen der „Montagsdemonstrationen gegen Sozialabbau“ vehement gegen die, zunächst von BüSo organisierten, Veranstaltungen, indem er eigenständige Demos mit bis zu 15.000 Teilnehmer_innen initiierte, um der Gefahr einer Etablierung rechter Kräfte konsequent entgegenzutreten.

Trotz dieser Vorkommnisse unterstützt der Stadtverband von „Die Linke“, unter ihrem Vorsitzenden Volker Külow weiterhin die Veranstaltung von „Leipzig gegen Krieg“ aktiv in der Mobilisierung und Werbung für die Verleihung des „Friedenspreises“. Und das obwohl Külow von der Problematik um die Gruppe seit Längerem Kenntnis besitzt.5

Neuerdings führen Leipziger „Friedensaktivist_innen“ von „Leipzig gegen Krieg“ mit Diskreditierungsversuchen, wie „staatsfinanziert“, eine Schmutzkampagne gegen den Erich-Zeigner-Haus e.V., den Verein, der sich insbesondere um das würdige Andenken der Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes – z.B. durch die Verlegung von „Stolpersteinen“ – bemüht.6

Kritischer Frieden Leipzig, 22.08.2015

  1. siehe z.B: https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_F%C3%BChrer#cite_ref-21 [Quelle: http://jule.linxxnet.de/index.php/2013/09/ein-tag-zwei-preise-fur-antifaschistisches-antirassistisches-engagement/ [zurück]
  2. http://friedensweg.de/offener-leipziger-friedensbewegter-die-couragepreistraegerinnen/ [zurück]
  3. http://kritischerfrieden.blogsport.de/2015/05/11/erfahrungsbericht-zum-8-mai/ [zurück]
  4. http://kritischerfrieden.blogsport.de/2015/06/30/100-tage-kfl/ [zurück]
  5. http://kritischerfrieden.blogsport.de/2015/08/15/warum-keine-zusammenarbeit-mit-leipzig-gegen-krieg/ [zurück]