Das Motto „Freiheit für Deutschland“ am Tag der Einheit:

Xavier Naidoo, Jürgen Elsässer, Ken Jebsen und die „Legida“-Connection

Ein Jahrestag der besonderen Art: Das mediale Echo für seinen Auftritt am 03.10.2014 vor dem Reichstagsgebäude war groß, als er gemeinsam mit Neonazis, Antisemiten, Verschwörungstheoretikern und den selbst ernannten Reichsbürgern in Berlin unter dem Motto „Sturm auf den Reichstag“ demonstrierte. Er verbreitet dekomplexitären Unsinn, redet von der Unfreiheit des deutschen Volkes und macht sich mit Rechtspopulisten gemein.

Seit Xavier Naidoo im Oktober 2011 im ARD-Morgenmagazin mit seinem schwarzem T-Shirt „Freiheit für Deutschland“ auftrat, hat der Slogan eine beachtliche Karriere gemacht. Doch auch schon damals feierte das Reichsbürgermilieu seine Äußerung: „Nein wir sind nicht frei! Wir sind immer noch ein besetztes Land. Deutschland hat keinen Friedensvertrag.“ link

Vor genau einem Jahr trat Naidoo dann gleich doppelt als politischer Redner in Erscheinung: Seine erste Rede an diesem Tag hielt er vor Reichsbürgermilieu mit „Staatenlos“-Schleife als Erkennungszeichen der Grundgesetzleugner. Auf den Haupttransparenten der Organisator_innen waren folgende eindeutigen Parolen zu lesen: „Die Befreiung ist nicht erfolgt!“, „Befreit Deutschland vom Faschismus!“; „BRD ist nicht Deutschland! Europa ist nicht die EU!“ link

Bei seiner zweiten Rede am Tag der Deutschen Einheit 2014 trat er gemeinsam mit dem neurechten Publizisten und späterem Legida-Redner Jürgen Elsässer vor dem Berliner Kanzleramt auf. Wieder im „Freiheit für Deutschland-Shirt“ bedankte sich Naidoo am Ende seines Auftritts bei den Veranstalter_innen: „Weiter so! Ich habe den größten Respekt vor Eurer Arbeit!“
Am Rand der Veranstaltung waren schon damals jene Personen zu sehen, die ein Jahr später immer wieder im Orga-Kreis der asyl- und islamfeindlichen Demonstrationen zu beobachten sind. Das rechtsesoterische Videoportal Nuoviso aus Leipzig führte vor Ort ein Interview mit Elsässer, in dem er sich zu Naidoo (laut Nuoviso: „Ein Prominenter mit Mut zur Wahrheit“) äußert:

Nuoviso: „Warum ist Xavier Naidoo heute hier?“
Elsässer: „Xavier Naidoo, ich freue mich wahnsinnig, dass er da ist. Er hat mehr für die Frage der Souveränität und des Friedens getan, als ich glaub alle anderen Künstler in Deutschland zusammen. Er steht hin und er zeigt Flagge und er kümmert sich auch nicht drum, dass die Mainstream-Medien jetzt gegen ihn schreiben. Er hat seine Fans und seine Fans stimmen ihm zu.“ link

Der spätere Legida-Chef Markus Johnke ist im Publikum bei Naidoos Rede am 03.10.2014 in Berlin deutlich zu erkennen, letztes Jahr war er noch von dem Querfront-Projekt „Mahnwachen für den Frieden“ um Ken Jebsen angetan. So wetterte Jebsen am 12.05.2014 auf der von Johnke schon damals mitorganisierten Veranstaltung in Leipzig gegen „die Antifa“, deren Anhänger er doch einfach „an die Wand lieben“ werden müssten. Seit letztem Sommer immer wieder zu sehen, die städtische Querfront-Prominenz hier u.a. vertreten durch Stephane Simon. (http://tinyurl.com/pa9×44l)
Auch Naidoo zeigt seine Freundschaft zu Jebsen öffentlich, z.B. auf einem Foto (im Lieblings-Shirt?), das am 14.11.2014 auf der KenFM-Facebookseite veröffentlicht wurde. link

Nach einem Jahr ist Naidoos Slogan „Freiheit für Deutschland“ nun endgültig dort verortet, wo er hingehört: Als Transparent von „Legida“, ähnlich dem Motto von Jürgen Elsässers anstehender „Souveränitätskonferenz“ mitten im rechtsradikalen Sumpf.

Xavier Naidoo hingegen legitimiert Rechtsradikale durch seine Auftritte und öffentlichen Handlungen und kann, solange er sich nicht eindeutig von ihnen distanziert, als Teil eines neurechten, antisemitischen Propaganda-Netzwerks betrachtet werden, das von der installierten Protestbewegung „Montagsmahnwachen“ bis zur rechtsradikalen „Legida“ reicht.

Kritischer Frieden Leipzig, 03.10.2015